Igel Max

Jedn Morgn kurz noch Sechse zwischen Hundshiebl un Stitzengrie,
auf dr B Hunertneinesachzig, wu im Wald viel Schwamme stieh.
Wenn vum Arzgebirg de Morgnsonn de Schläfer driem in Vogtland sachte grießt,
bevor mit grußm Krach de Blachkolonn mit Vullgas nochm Westen nieber schießt.
Dess is de Zeit, wu Max dr Igel
de Stroß gemächlich überquert
ze seiner Freindin driem am Hiegl,
die er liebt un su verehrt.
Mit de Kinner rimspaziern,
is Martel ab un zu verfiehrn.
Erscht am Obnd giehts wieder ham,
ach, des is e schiens Laabn.

An dr B Hunertneinesachzig zwischen Hundshiebl un Stitzengrie,
do wuhnt e klaaner Igel, dar hots dort wahrlich schie
An dr B Hunertneinesachzig zwischen Hundshiebl un Stitzengrie,
do wuhnt e klaaner Igel, dar hots dort wahrlich schie.

Mittlerweile, driem in Aue, sitzt dr Gehr am Friehstickstisch,
tut sei Buttrbrutl kaue, de Marlies kimmt grod aus dr Kich
vom Bemme schmiern, gießt nuch mol Kaffee ihrn Gehle in sei Dippl nei.
Dann tut se ihm 'ne Thermiskann Tee fier de Fahrt ins Taschl nei.
Draußen wartet schu dr Laster,
zum Wurschthuln aus Ingolstadt,
de Landstroß lang bis Dreie gast'r,
deß de Haamit was ze frassn hat.
Immer sitzt de Zeit im Nacken,
rast'r net, werd ers net packn,
bis zum Obnd wieder eham,
ach, des is kaa schienes Laabn.

An dr B 169 ...

Wieder is's Friehgahr kumme, überall fängts a ze blieh.
Igel Max stoppt sich voll Wonne sei Pfeifel schu in aller Frieh.
Tut paar Friehlingsbliemle pflicken, sei Herz kloppt vur lauter Fraad,
Will is Martel heit beglicken, bei dar de gruße Stund bal naht
Se is im neinten Monat schwanger, Max rennt lus vull Voterglick.
Auf de Landstroß zu - iebern Anger rennt'r in sei Ugelick.
Dr Gerhard mit sein grußn Laster
ieberrollt ne aufm Pflaster
da die schnöde Menschenwelt
grad die Uhren umgestellt.

An dr B 169 ...

Am Obnd sitzt dr Gerhard wieder
mit Fraa un Kind gemietlich da.
Eine Igelin kam darnieder,
vergebens wartend auf ihrn Maa.
Auf dr B Hunertneinesachzig, schu in aller Herrgottsfrie
log e tutgefahrner Igel zwischen Hundshiebl un Stitzengrie.

Igel Max

Jeden Morgen kurz nach Sechse zwischen Hundshübel und Stützengrün,
auf der B Hundertneunundsechzig, wo im Wald viele Pilze stehen.
Wenn vom Erzgebirge die Morgensonne die Schläfer drüben im Vogtland sacht grüßt,
Bevor mit viel Radau die Blechkolonne nach dem Westen hinüber fährt.
Das ist die Zeit, wo Max der Igel
die Straße überquert
zu seiner Freundin drüben am Hügel,
die er liebt und so verehrt.
Mit den Kindern spazieren gehen
das Martel ab und zu verführen
Erst am Abend geht es wieder heim,
ach, das ist ein schönes Leben.

An der B 169 zwischen Hundshübel und Stützengrün,
da wohnt ein kleiner Igel, der hat es wahrlich schön.
An der B 169 zwischen Hundshübel und Stützengrün,
da wohnt ein kleiner Igel, der hat es wahrlich schön.

Inzwischen, drüben in Aue, sitzt der Gehrhard am Frühstückstisch
ißt sein Butterbrot, die Marlies kommt gerade aus der Küche
vom Butterbrot machen, gießt noch einmal Kaffee in ihrem Gerhard seiner Tasse nach
Dann legt sie ihm eine Thermoskanne Tee für die Fahrt in seiner Tasche hinein.
Draußen wartet schon der Laster
zum Wurst holen aus Ingolstadt,
die Landstraße entlang bis dreie rast er
das die Heimat was zu fressen hat
Immer sitzt die Zeit im Nacken
rast er nicht, wird er es nicht packen
bis zum abend wieder nach Hause
ach, das ist kein schönes Leben.

An der B 169 ...

Wieder ist es Frühjahr geworden, überall fängt es an zu blühen
Igel Max stopft sich voll Wonne seine Pfeife schon in aller Frühe
Pflückt ein paar Frühlingsblumen, sein Herz klopft vor lauter Freude, Er will die Martel beglücken, bei der die große Stunde naht.
Sie ist im neunten Monat schwanger
Max rennt los voll Vaterglück.
Auf der Landstraße zu - übern Anger,
rennt er in sein Unglück.
Der Gerhard mit seinem großen Laster
überrollt ihn auf dem Pflaster
da die schnöde Menschenwelt
gerade die Uhren umgestellt.

An der B 169 ...

Am Abend sitzt der Gerhard wieder
mit Frau und Kind gemütlich da
Eine Igelin kam darnieder
vergebens wartend auf ihren Mann.
Auf der B 169, schon in aller Herrgottsfrühe,
lag ein totgefahrener Igel zwischen Hundshübel und Stützengrün.